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Ich bin jetzt seit 2,5 Monaten in Tirol und nach dem Almleben und einem Ermüdungsbruch im Mittelfußknochen ist mir eines ganz wichtig geworden: Authentizität.

Das Leben ruckelt immer ein bisschen, wenn es in den nächsten Gang schaltet

Seitdem ich hier lebe, habe ich Situationen erlebt, in denen es mir echt schwergefallen ist, ich zu sein. Ich passe einfach nicht zu den Erwartungen, die sich mit der Zeit so fest in den Köpfen der Menschen verankert haben. Erwartungen sind Schablonen im Kopf, die wir wie eine Brille aufsetzten. Und ich passe irgendwie nicht immer ins Bild.  

Eine Deutsche und dann auch noch aus der Stadt. (Noch dazu evangelisch.) Da habe ich mich doch gefälligst anzupassen, oder nicht?! Sowas hat mir hier zwar noch keiner gesagt, ich merke aber, dass es den ein oder anderen gibt, der mit mir nicht klarkommt. Eigentlich nicht so tragisch. Es gibt schließlich immer Leute, die man nicht so mag wie andere.

Mit oder gegen den Strom schwimmen?

Und dennoch habe ich selbst noch bis vor Kurzem geschwankt: Geschwankt zwischen mich klein machen, zu allem lächeln und nicken und dafür gemocht zu werden und dazu gehören oder doch bei mir zu bleiben und echt zu sein. Authentisch eben.

Was soll das heißen „authentisch“ sein?

Authentisch zu sein heißt für mich „echt“ sein und mir darüber bewusst sein, wer ich bin und was ich will. Lange Zeit hatte ich Angst nicht geliebt zu werden. Außen vor zu bleiben. Dabei haben wir schon von klein auf gelernt uns anzupassen und brav zu sein. Bloß nicht auffallen. Wir wollen schließlich dazugehören.

Sei du. Sei echt. Es kommt sowieso raus.

Wenn ich zeige, wer ich wirklich bin, dann zeige ich alles. Sowohl mein Lachen als auch meine Trauer. Ich schäme mich nicht dafür, denn meine Gefühle gehören zu mir und sollen leben. Ich will leben und nicht so sein, wie andere mich haben wollen.

Wie lerne ich wieder authentisch zu werden?

Immer wenn ich Kleinkinder sehe, bin ich fasziniert, wie frei sie ihre Gefühle zum Ausdruck bringen, egal, in welcher Situation sie sich gerade befinden. Als kleines Kind waren wir alle echt authentisch. Umso schlimmer ist es, wenn ich Eltern höre, die dann zu ihren Kindern sagen: „Reiß dich zusammen“ oder: „Hör‘ auf zu weinen!“. Also: Wie können wir zurückfinden in diese unbeschwerte Echtheit? Eine gute Methode ist, sich immer wieder inne zu halten und sich zu fragen:

Will ich das? Ist es das, was ich sein will? Ist das für mich stimmig?

Meine eigene Schablone

Ich hatte letztens so eine Situation. Ich saß an einem Tisch mit Menschen, die eigentlich nur über andere Menschen und Geschichten aus der Vergangenheit gesprochen haben. Ich als Neu-Tirolerin hatte keine Ahnung, um was es ging. Es wurde von mittags an Alkohol getrunken und gefeiert. Kann man mal machen, keine Frage! Aber auch ich hatte meine  eigenen Erwartungen von dem Tag und meine eigene Schablone auf.

Du spielst die Hauptrolle!

Und so saß ich dort sieben Stunden lang fest und habe gewartet und gehofft, dass die Zeit umging. Immer wieder habe ich mich gefragt, was ich da eigentlich mache und warum ich meine Zeit so verschwende. Ich war nicht auf so etwas eingestellt und wollte einfach nicht mitmachen. Und trotzdem bin ich sitzen geblieben. Um ins Bild zu passen. Das wird mir definitiv nicht noch einmal passieren. Ich spiele keine kleine Nebenrolle. Meine Zeit ist kostbar. Ich bin die Hauptperson. Ich schalte jetzt in den nächsten Gang, denn ich bin es mir wert. Auch wenn es zuerst etwas ruckelt.